Angekommen - und was nun?

Recherchen, Interviews und Portraits zur Integrationsarbeit in Wiehl

In ihrer Selbstauskunft „Wir über uns“ beschreibt sich die Flüchtlingshilfe Wiehl als „eine bunte Schar von ehrenamtlich Tätigen – quer durch alle Altersklassen und Berufsgruppen“, verbunden im  gemeinsamen  Ziel,  „Menschen, die in unserer Mitte Zuflucht suchen, eine helfende Hand zu reichen“. Dahinter verbergen sich jede Menge ehrenamtliche Helfer, die mit ihren unterschiedlichsten Talenten und hohem Engagement die Asylbewerber bei der Integration im fremden Kulturkreis und der deutschen Gesellschaft begleiten. Mit dabei Flüchtlingspaten, die Mitarbeiterinnen des Kinderlädchens und die des Frauencafés, Veranstalter von Integrations-und Deutschkursen, Betreuer  von Sing-und Kreativkursen, der Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit, zahlreiche Sach-und Geldspender, die alle in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Fachbereichs Soziales der  Stadtverwaltung Wiehl agieren.

An dieser Stelle möchte der AK Öffentlichkeitsarbeit  nun in loser Folge den konkreten Sachstand der Integrationsaktivitäten skizzieren, einige Persönlichkeiten aus der „bunten Schar“ näher präsentieren und mit Einverständnis der betroffenen Flüchtlinge, ausgewählte Biografien nachzeichnen, um die Arbeit der Flüchtlingshilfe für Außenstehende transparenter und nachvollziehbar zu machen.

(Von Ute Sommer)

In dieser Serie veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen neue Beiträge. Das Vorbeischauen lohnt sich also!
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„Leben, Wohnen und Arbeiten in Wiehl“ – Fragestunde für Flüchtlinge mit Experten aus Ehrenamt, Sozialamt und Jobcenter

„Leben, Wohnen und Arbeiten in Wiehl“ – Fragestunde für Flüchtlinge mit Experten aus Ehrenamt, Sozialamt und Jobcenter

Wie nach den beiden erfolgreichen Veranstaltungen „Make it in Germany“ in der ersten Jahreshälfte angekündigt, veranstaltete der Arbeitskreis Flüchtlingspaten zwei Folgetermine für Arabisch- und Dari/Farsi-sprechende Flüchtlinge.

An zwei aufeinanderfolgenden Abenden konnten die Flüchtlinge ganz persönliche Fragen an die Experten stellen: für das Jobcenter waren Anika Thomas und Angelika Wutschik anwesend, für das Sozialamt der Stadt Wiehl Monika Haas und Konrad Gerards und für die Flüchtlingshilfe Wiehl Frau Susanne Michel. Dolmetscherin, Moderatorin und Expertin in einer Person war Aiyleen Dardan, die in schon gewohnter entspannter und sachgerechter Art auf die Fragen der Flüchtlinge einging.

Persönliche Probleme der Flüchtlinge im Umgang mit den Wiehler Bürgern bis hin zu konkreten Fragen zur finanziellen Unterstützung der Familien bildeten die Bandbreite der behandelten Themen.

Aiyleen Dardan wie auch die anderen Experten ermunterten die Flüchtlinge, von sich aus auf die Wiehler zuzugehen und nicht auf deren Initiative zu warten. Die Bedeutung von Sport für ein Miteinander von Wiehlern und Flüchtlingen wurde sowohl von Konrad Gerards als auch von Achim Schulz als Integrationsbeauftragten des BSV Bielstein hervorgehoben, der an dieser Stelle noch einmal alle Anwesenden (auch Frauen und Mädchen!) einlud.

Ganz wichtig war allen Experten jedoch der Hinweis, dass sich die Flüchtlinge qualifizieren sollen. Das heißt konkret auch, auf die geringfügige Beschäftigung zu verzichten und eine Ausbildung anzustreben, die zu einer beruflichen Tätigkeit führt, die sie und ihre Familie ernähren kann.

Auf dem Weg in diese Richtung sind die Kinder der Flüchtlinge schon unterwegs: spontan ging eine 6jährige vor das Publikum, und berichtete, dass sie die ersten Schultage hinter sich hat und „glücklich über die neuen Worte“ ist.

Konrad Gerards machte den Anwesenden deutlich, dass ihre Kinder in einer den Eltern fremden Kultur aufwachsen, was sicher zu Irritationen, Unverständnis und auch Konflikten führen kann.

Aiyleen Dardan zitierte daraufhin den arabischen Dichter Gibran Khalil mit den Worten „Eure Kinder sind nicht eure Kinder. …Und sind sie auch bei euch, so gehören sie euch doch nicht. …“ (aus: „Der Prophet“ ).

Damit fand der letzte Abend nach handfesten Informationen zu Minijob, Finanzhilfen und Versicherungsauswahl einen geradezu philosophischen  Abschluss, denn dieses Zitat hat für alle Eltern Gültigkeit – egal aus welchem Land sie stammen.

Neben den Teilnehmern aus Wiehl fanden sich auch wieder Flüchtlinge aus Much, Nümbrecht und Reichshof ein, so dass an beiden Tagen ca. 80 Erwachsene das ev. Gemeindehaus in Wiehl aufsuchten. Die insgesamt ca. 20 Kinder wurden, wie schon bei den vorangegangen Veranstaltungen des Arbeitskreises, von einem Team junger Helferinnen betreut. Den Dank der Flüchtlingshilfe Wiehl an diese Helferinnen aber auch an die ev. Kirchengemeinde Wiehl, die ihr immer wieder ihre Räumlichkeiten für die verschiedensten Veranstaltungen zur Verfügung stellt, formulierte Konrad Gerards am Ende der Veranstaltung. Sein Dank galt aber auch den ehrenamtlichen HelferInnen des Arbeitskreises Flüchtlingspaten, die zusammen mit ihrer Koordinatorin Susanne Michel diese Veranstaltung erst möglich gemacht haben.

Text und Fotos: Monika Wallbaum-Stöber

Café Else – Ort der Begegnung für Einheimische und Neubürger

Café Else – Ort der Begegnung für Einheimische und Neubürger

Die Zimmermitte nimmt ein großer Familienesstisch ein, die Kaffeetheke im Hintergrund ist mit einer funktionalen Küche verbunden, kleine Sitzgruppen an den Seiten laden zum gemütlichen Plausch ein, mit heller Farbgestaltung und jeder Menge Tageslicht verbreitet der Raum kommunikative Wohlfühl-Atmosphäre.

Mit der Eröffnung des Begegnungszentrums „Café Else“, Oberwiehler Straße 61, entsteht für die Kooperationspartner aus der Stadt Wiehl, der Flüchtlingshilfe Wiehl , der OASe und dem Gemeinnützigen Verein Oberwiehl eine klassische Win-Win-Situation, denn der neue Treffpunkt ist nicht nur ein weiterer Beitrag zur Belebung des dörflichen Lebens, sondern gleichzeitig Schmelztiegel zum Zusammenwachsen von Einheimischen und Neubürgern.

Dass damit offensichtlich voll ins Schwarze getroffen wurde machte der große Besuchersturm deutlich, der sich bereits zur Eröffnung im Café drängelte. So zeigte sich der Integrationsbeauftragte der Stadt Wiehl, Konrad Gerards, erfreut über die tolle Gemeinschaftsproduktion aller Akteure und dankte ihnen, sowie dem Land NRW für die Bereitstellung von Hilfsgeldern. Die gemeinsame Vernetzung ermögliche Begegnung und Austausch, schaffe so Nähe zwischen den Menschen. „Jemanden den ich kenne, vor dem habe ich keine Angst“.

Nach seiner Einschätzung habe sich die damalige Entscheidung zur dezentralen Unterbringung der Flüchtlinge als wichtiger Baustein für gelingende Eingliederung erwiesen, resümierte Bürgermeister Ulrich Stücker, allerdings sei die tatsächliche Integrationsleistung erst durch das außerordentliche Engagement der Wiehler Ehrenamtlichen erfolgt.“Integration braucht Orte der Begegnung um Vorbehalte abzubauen und Zukunftsziele zu entwickeln“, wünschte er allen künftigen Besuchern, intensive und offene Gespräche und dankte der OWG für die Bereitstellung der Räumlichkeiten.

Als Reaktion auf einen Brandanschlag im September 2015, auf einen Waggon in dem Flüchtlinge unterkommen sollten, habe sich im Dorf eine gewaltige Solidaritätswelle formiert, so dass heute 50 syrische und irakische Neubürger in Oberwiehl ihr zu Hause hätten, rekapitulierte Udo Kolpe, Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Oberwiehl.

Der aktuelle Name Café Else beziehe sich auf die heute 101 Jahre alte Oberwiehlerin Else Hans, die an gleicher Stelle von 1960 bis 1983 ihre Linden Apotheke führte.Für „kleines Geld“ vom Land NRW und den beteiligten Akteuren, mit teilweise unentgeltlicher Unterstützung der Firmen Kocher Heizung-und Sanitär, Traksel- Bau, dem Bubenzer-Baustoffhandel, Elektro-Schwertner, sowie GSG-Farben und der Eigenleistung vieler Ehrenamtlicher habe man das Begegnungszentrum realisieren können.

Im Namen der Flüchtlinge in Oberwiehl ergriff Mustafa Almohamad das Wort und bedankte sich für die vielgestaltige Hilfe, die er und seine Landsleute durch die Paten erführen. „Für Vielfalt und Respekt“ und „Us Fremen weren Nohpern und Früngde“-die griffigen Wand-Tattoos sind markante Gestaltungselemente und erinnern als Leitmotiv stets an die Treibfeder die alle Akteure antreibt.

„Jeder, der sich für diese Ziele einsetzt, ist uns herzlich willkommen“, lud Petra Friedrichs, Koordinatorin der Oberwiehler Flüchtlingsarbeit dazu ein, sich auch an der künftigen Programmgestaltung im Café Else zu beteiligen. Den musikalischen Auftakt der Veranstaltung gestaltete Melissa Friederichs, mit Gesang zur Gitarre.

Nachdem am 10. September der große Festumzug zum 700. Oberwiehler Dorfjubiläum Geschichte sein wird, findet ein abwechslungsreiches Programm mit Vorträgen, Spielen, Kino, Kochen, Mitsingen-und Mitmachen im Café statt . Das jeweilige Thema wird in der Dorfzeitung und auf der Homepage der Flüchtlingshilfe Wiehl veröffentlicht oder ist einem Aushang am Eingang des Café Else zu entnehmen.

Text und Foto: Ute Sommer

„Offen gefragt – ehrliche Antwort“: Familie Khansheikhouni

„Offen gefragt – ehrliche Antwort“: Familie Khansheikhouni

Familie Khansheikhouni kommt aus Syrien und lebt seit November 2015 in Büttinghausen. Petra Friedrichs, die ehrenamtlich eine Flüchtlingsfamilie in Oberwiehl betreut, organisierte ein Treffen der Familie mit dem Vorsitzenden des Gemeinnützigen Vereins Oberwiehl e.V. Udo Kolpe sowie der Schriftführerin Petra Jacob. Der Bericht über diesen Besuch erschien im April 2017 in der Oberwiehler Dorfzeitung. Wir dürfen ihn freundlicher Weise hier veröffentlichen.

Oberwiehler Dorfzeitung – Ausgabe 25_S. 4 und 5

Wo steht die Flüchtlingshilfe heute? – Susanne Michel über die Ergebnisse ihrer Fragebogenaktion

Wo steht die Flüchtlingshilfe heute? – Susanne Michel über die Ergebnisse ihrer Fragebogenaktion

Die einen nannten es Flüchtlingskrise, die anderen Willkommenskultur: Zwei Jahre ist es nun her, seit die Flüchtlingsarbeit der Stadt Wiehl an ihre Grenzen stieß, weil wöchentlich plötzlich ungewohnt viele Flüchtlinge bei uns eintrafen, unter anderem als Folge des Kriegs in Syrien. Damals zeigten die Wiehler Bürgerinnen und Bürger eine enorme Hilfsbereitschaft. Um die Arbeit der vielen freiwilligen Helfer optimal zu bündeln, gründete sich damals die Flüchtlingshilfe Wiehl mit ihren unterschiedlichen Arbeitskreisen unter dem Dach der Stadt Wiehl.

Heute ist es etwas ruhiger geworden um die Flüchtlingshilfe: Weil die europäischen Grenzen teilweise komplett geschlossen wurden, kommen heute nur noch sporadisch neue Flüchtlinge bei uns an. Viele Flüchtlinge „der ersten Stunde“ sind mittlerweile bei uns „angekommen“, haben Deutsch gelernt und sich eingelebt. Andere wurden abgeschoben oder sind, bevor es so weit kam, freiwillig in ihr Herkunftsland zurückgekehrt. Einige Menschen haben einen festen Platz in unserer Stadt gefunden, haben Arbeit, gehen zur Schule oder machen eine Ausbildung. Andere bleiben für sich. Eine neue Situation, die auch die Arbeit der Paten verändert und unter Umständen neue Herausforderungen bedeutet. Es geht mittlerweile immer mehr um die Hilfe bei der „normalen“ Alltagsbewältigung, um Familienzusammenführungen und um die Bemühung um nachhaltige Integration als um ein herzliches Willkommen, die Erstversorgung und einen ersten Sprachkurs.

Wir sprachen mit Susanne Michel. Frau Michel leitet als Ehrenamtlerin den Arbeitskreis Flüchtlingspaten in der Flüchtlingshilfe Wiehl. Am 12. April 2017 startete ihr Arbeitskreis eine Umfrage bei den Paten. Dafür hat sie einen Fragebogen vorbereitet und diesen an 120 Paten verschicken lassen, die sich seit 2015 in der Flüchtlingshilfe engagieren. Wir wollten von ihr wissen, wo die Flüchtlingshilfe heute steht, was der Hintergrund für die Fragebogenaktion war und welche Ergebnisse bei der Umfrage herauskamen.

Wo steht die Flüchtlingshilfe heute? Was ist geworden aus dem großen Engagement der Anfangszeit?
Susanne Michel: Von den seinerzeit etwa 100 bis 120 Paten kümmern sich derzeit noch etwa 60 bis 70 Paten aktiv um Flüchtlinge. Aus manchen Patenschaften wurden bereits Freundschaften, andere konnten ihre Familie mit einem guten Gefühl „loslassen“, ebenso gibt es Paten, die angesichts einer als übersteigert empfundenen Anforderungshaltung ihrer „Schützlinge“ enttäuscht aufgaben. Und natürlich gibt es weiterhin viel zu tun. Es kommen auch heute noch neue Flüchtlinge zu uns. B bei vielen ist der Aufenthaltsstatus noch nicht geklärt. Da müssen Wohnungen gesucht und Behördengänge begleitet werden.

Wie sind Sie darauf gekommen, eine Umfrage bei den Paten durchzuführen? Und was versprechen Sie sich von den Ergebnissen?
Susanne Michel: Auslöser war die Frage, wie wir unsere Paten noch besser unterstützen können. Dazu interesseierte uns, welche Wünsche die aktiven Ehrenamtler für ihre Arbeit haben, bzw. was ihnen dabei fehlt. Auf diese Frage erhofften wir uns insbesondere Antworten von ehemalige Paten, um zu erfahren, was sie dazu bewogen hat, ihr Engagement zu beenden.

Wie war die Resonanz auf die Fragebögen?
Susanne Michel: Innerhalb von 4 Wochen wurden 25 Fragebögen ausgefüllt und an uns zurückgesandt. Diese Quote von über 8% ist durchaus positiv und belegt das Interesse der angeschriebenen Personen an unserer Arbeit. Es erreichten uns viele konstruktive Verbesserungsvorschläge.

Welche Wünsche und Anregungen haben die Paten an Sie übermittelt?
Susanne Michel: Nahezu alle Teilnehmer an der Umfrage wünschen sich mehr persönlichen Kontakt zwischen Flüchtlingen und Wiehler Bürgern. Dies könne besonders gut über Sport-, Musik- und Kulturangebote geschehen. Ebenso wurde der Wunsch nach speziellen Ansprechpartnern für Schulfragen, Fahrdienste, Hilfe bei Arztbesuchen, intensiverer Arbeitsvermittlung und nach neutralen Übersetzern – die keine Flüchtlinge sind – laut.

Gab es auch negative Stimmen?
Wie zu erwarten, gab es auch negative Stimmen der Paten. Hier wird insbesondere die fehlende Motivation der Flüchtlinge, die „Ausnutzung“ des Sozialsystems, fehlende Lust an Praktika, Ausbildung und Arbeit kritisiert – mit geringster Anstrengung wolle man hier das Maximum an Hilfen erlangen (Minimalprinzip).  Außerdem fehlt einigen ein konkreter Integrationsansatz der Stadt Wiehl. Auch mangelnde Kommunikation zwischen Stadt, Behörden und Ehrenamtlern wird als Problem benannt. Viele Paten sind mittlerweile auf Grund des extrem hohen Engagements müde und ausgepowert und wünschen sich mehr Unterstützung von professioneller Seite.

Was werden Sie mit den Erkenntnissen anfangen? Welche Möglichkeit haben Sie hier gestalterisch einzuwirken?
Susanne Michel: Ich möchte mich zunächst einmal bei allen bedanken, die sich aktiv an unserer Umfrage beteiligt haben und uns so helfen, mögliche Schwachstellen aufzudecken. Bestenfalls haben Sie so zur Verbesserung unserer Ehrenamtsarbeit beigetragen!
Wir werden uns mit den angesprochenen Problemen im Arbeitskreis auseinandersetzen und versuchen, Lösungen zu finden. Hierüber werden wir wieder informieren.

Vielen Dank für das Gespräch!!!

„Bei uns ist die Luft nicht raus“ – Besuch bei Sozialarbeiterin Monika Haas

„Bei uns ist die Luft nicht raus“ – Besuch bei Sozialarbeiterin Monika Haas

Es klopft an die Tür des Zimmers 14 der Stadtverwaltung in Wiehl. Ein junger, farbiger Mann schaut um die Ecke. “ Hallo Frau Haas, können Sie den Schlüssel bitte an Konrad weiter geben“?  Für Monika Haas, Mitarbeiterin des Fachbereichs  4/ Soziales, ist es eine Selbstverständlichkeit ihre Schreibtischarbeit immer mal wieder unvermittelt  zu unterbrechen,  denn während ihrer  „normalen“  Bürozeiten schneien, in unregelmäßigen Abständen, bis zu zwanzig Ratsuchende mit unterschiedlichsten Anliegen herein. Doch die gelernte Maler-und Lackiererin, mit Ausbildungseignungsprüfung und pädagogischer Zusatzqualifikation besitzt eine entspannte Wesensart, die es ihr erlaubt, diese permanente Herausforderung als positiven Ansporn zu verbuchen. „Action ist gut, damit kann ich gut umgehen“. Seit dem 1. Juli 2016 ist die Sozialarbeiterin zuständig für „Asylangelegenheiten“, ein komplexes Aufgabengebiet, zu dem  die Arbeits-und Unterkunftsvermittlung, die Wohnungsbetreuung, Organisation von Deutschkursen und entsprechenden Praktika gehören.

Als Schnittstelle zwischen den Wiehler Asylbewerbern und den verschiedenen Maßnahmeträgern, Bildungseinrichtungen, der IHK und dem I-Point ist sie erste Ansprechpartnerin für  derzeit 200 Asylsuchende, die z. Zt.  in Wiehl leben und über deren Asylantrag bislang noch nicht entschieden wurde. Aber auch anerkannte Flüchtlinge suchen sie auf, um Fragen zu klären.  Von den  insgesamt in Wiehl lebenden 380 Flüchtlingen leben 240 in Privatwohnungen, 80 Personen sind in BEW-Wohnungen untergebracht und 60 Geflüchtete  haben ihre Bleibe in kürzlich neu errichteten Gemeinschaftsunterkünften gefunden. An zwei Vormittagen der Woche arbeitet Monika Haas in ihrem erlernten Beruf, renoviert Wohnungen und Unterkünfte, die nach Auszug der Zuwanderer wieder in den Ursprungszustand versetzt werden müssen. Mit regelmäßigen Besuchen  in den aktuell sieben verschiedenen Deutschkursen, angeboten in Wiehl, Bielstein und Oberwiehl, hält sie engen Kontakt zu Schülern und Lehrern, stellt so schnelle Intervention bei auftretenden Problemen sicher.

Den Löwenanteil ihrer Zeit investiert die 48-jährige allerdings in die Jobakquise am PC und als „Kummerkasten“ für alle Wechselfälle des Lebens, seien es Fragen zu Schule und Job, angefragte Reparaturen, Beschwerden von benachbarten Anwohnern oder als Hilfe beim Erstellen von Lebensläufen und Bewerbungsschreiben. Seitens  ihrer „Fälle“ werden am häufigsten Mängel seitens der Wohnsituation in Außenorten beklagt, fehlende oder schlechte Verkehrsanbindungen moniert. Zusammen mit ihren Gesprächspartnern freut sie sich über gute Nachrichten, motiviert nach Enttäuschungen oder tröstet bei Rückschlägen. Als Grundlage für den guten Draht zu den multinationalen Flüchtlingen allerdings, bezeichnet sie die engagierte Vorarbeit, die von den vielen ehrenamtlich tätigen Paten und Kümmerern geleistet wird. „Bei mir und meinen Kollegen ist die Luft nicht raus, wir sind bestens motiviert“.

Text und Foto: Ute Sommer